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Wenn alles läuft, ist was faul von Den Netbit.

Freunde und gemeine Computer

Ja, ich hab mir diese freien Tage wirklich verdient. Doch eins macht mich nervös. Ich spüre, wie es in mir aufsteigt und Unruhe in meinem Wohnzimmer verbreitet. Es ist die Berechenbarkeit: Der Rechner schnurrt wie ein Kätzchen, das Betriebssystem und die restliche Software läuft stabil - schon seit Tagen...

Da kann doch was nicht stimmen? Hat mein Computer eine Intelligenz entwickelt, die ihm die Kraft gibt, was Böses zu planen? Um mich dann plötzlich zu überraschen? Ist das ein Spiel? Ich geh' schon mal in die Küche und setzte vorsichtshalber Kaffee auf...

Dann passiert es. Ich höre ein mir vertrautes Geräusch. Zunächst kann ich es nicht einordnen. Aber ich weiss, wieder beruhigt, dass die Zeit der Unruhe ihr Ende genommen hat... Es ist das Telefonklingeln... Ja, das ist es. Aber jetzt? Um 11 Uhr? An meinem freien Tag?

Die Rufnummererkennung verrät mir, dass es ein Bekannter von mir ist. Überglücklich erfahre ich, dass sein Computer mal wieder spinnt. Und ich habe die Ehre, ihm helfen zu dürfen. Aber ich wusste es: Wenn nicht mein Rechner, dann einer aus dem Freundeskreis. Ich bin zwar kein Experte, aber behauptet man nur einmal am Stammtisch im Biergarten, der eigene Computer würde schon seit Tagen stabil laufen, ist man ein Experte.

Und eines hab ich gelernt: Am besten keine Fragen stellen, bezüglich des Problems. Aus Höflichkeit vielleicht. Denn es ist immer was anderes. Was Mystisches. Ich nehme meine vorsoglich vorbereitete Medizinmann-Ausrüstung (Rettungs-CD, aktuelle Treiber für verschiedene Hardware, Patches) mit.

Zu meiner Freude sind mehrere Ungereimheiten aufgetreten. Aber mein Bekannter ist selbst Schuld: Er wollte es wissen. An einem Tag eine neue Maus und ein Modem zu installieren, und nebenbei die Brennsoftware zu aktualisieren. Und dazu auch noch alleine, ohne jegliche moralische Unterstützung. Wie ich festgestellt habe, wurde die PC-Maus schon mehrmals mit neuen verschiedenen Batterien gefüttert und drohte, vor Energie zu explodieren.

Doch zum Glück ist mir die Lösung bekannt. Es ist ein toller Scherz der Funk-Maus-Hersteller. Man platziert nicht nur am Empfänger einen Knopf, nein, das soll nur den User verwirren. Man bringt einen weiteren, schwer auffindbaren "Jetzt-wird-es-gehen"-Knopf irgendwo auf der Maus unter. Schliesslich ist es High-Tech: Kein Kabel und so. Nur ein Kugelschreiber wird gebraucht. Zum "Schalte-dich-ein"-Knöpfe drücken.

Ich frage mich, ob es Mäuse gibt mit integrierter Tastatur, wo die Escape-Taste auf der linken Maustaste liegt.

Der Tag war erfolgreich: Eine "Hardware" funkt jetzt. Damit die Freude nicht ausartet, beschliesst mein Bekannter am nächsten Tag weiter zu machen.

Als ich wieder daheim bin spüre ich keine "Vibrations" mehr in der Luft. Ein Blick auf den Bildschirm bekräftigt meine wiedererlangte Zufriedenheit: Bluescreen.


 

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